Die Macht des Unterbewusstseins - Wie deine Glaubenssätze dein heutiges Leben steuern
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Damit du dein volles Potenzial entfalten kannst, ist es wichtig, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Es zeigt sich immer wieder, dass genau hier für viele Menschen der Schlüssel liegt und gleichzeitig die größte Herausforderung. Denn ein Großteil dessen, was wir fühlen, denken und tun, geschieht nicht bewusst. Es wird von unserem Unterbewusstsein gesteuert. Wir denken am Tag ungefähr 60.000 Gedanken und nehmen nur einen kleinen Teil davon, etwa 5.000 Gedanken, bewusst wahr. Der Rest entsteht aus automatischen Bewertungen, emotionalen Reaktionen und körperlichen Zuständen. Viele Menschen versuchen, ihre Probleme über den Verstand zu lösen und scheitern nicht, weil sie zu schwach sind, sondern weil die Ursache tiefer liegt.
DAS UNTERBEWUSSTSEIN – MEHR ALS NUR „NICHT BEWUSST“
Das Unterbewusstsein ist kein einzelner Ort im Gehirn, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Systeme. Dazu gehören vor allem das limbische System und das autonome Nervensystem. Diese beiden Systeme arbeiten eng zusammen und bilden das Fundament unserer unbewussten Wahrnehmung. Das limbische System ist für Emotionen, Bindung, Motivation und die Bewertung von Erfahrungen zuständig. Es entscheidet in Sekundenbruchteilen, ob etwas sicher oder gefährlich ist. Diese Bewertung geschieht immer unbewusst. Das limbische System fragt nicht: „Ist das logisch?“, sondern: „Kennt mein System das? Ist das sicher für mich?“ Das autonome Nervensystem setzt diese Bewertung unmittelbar um. Es reguliert Atmung, Herzschlag, Muskelspannung, Verdauung und Energiezustand. Je nach innerer Einschätzung schaltet es in Anspannung (Sympathikus) oder Entspannung (Parasympathikus). Diese Prozesse laufen völlig automatisch ab. Du kannst sie nicht bewusst steuern, aber sie bestimmen maßgeblich, wie du dich fühlst.
JEDER SIEHT DIE WELT DURCH SEINE EIGENE BRILLE
Vielleicht kennst du das: Zwei Menschen erleben dieselbe Situation und empfinden sie völlig unterschiedlich. Der eine bleibt ruhig, der andere ist tief verunsichert oder wütend. Das liegt nicht an der Situation selbst, sondern an der inneren Brille, durch die sie wahrgenommen wird. Diese Brille entsteht in den ersten Lebensjahren. Bis etwa zum siebten Lebensjahr ist das Nervensystem besonders formbar und saugt alles auf wie ein Schwamm. Das limbische System speichert emotionale Erfahrungen ungefiltert ab. Worte, Stimmungen, Reaktionen und Beziehungserfahrungen werden direkt im Unterbewusstsein verankert – nicht als bewusste Erinnerungen, sondern als innere Wahrheiten. Aus diesen frühen Erfahrungen entstehen Glaubenssätze.
WIE GLAUBENSSÄTZE ENTSTEHEN
Glaubenssätze sind keine bewussten Entscheidungen. Sie sind Anpassungsstrategien eines kindlichen Nervensystems. Ein Kind ist existenziell auf Bindung angewiesen. Wenn es lernt, dass Liebe, Sicherheit oder Aufmerksamkeit an bestimmte Bedingungen geknüpft sind, passt es sich an. Zum Beispiel:
- Wenn Gefühle unerwünscht waren → „Ich darf meine Gefühle nicht zeigen.“
- Wenn Leistung gelobt wurde → „Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas leiste.“
- Wenn Fehler kritisiert wurden → „Ich darf keinen Fehler machen.“
Kinder können noch nicht reflektieren und feststellen, dass ihre Bezugspersonen gestresst und überfordert sind oder selbst unbewusst handeln. Ein Kind bezieht das Verhalten seiner Bezugspersonen immer auf sich und zieht daraus Schlüsse über sich selbst. Diese Überzeugungen werden im limbischen System gespeichert und über das autonome Nervensystem immer wieder aktiviert. Sie fühlen sich nicht wie Gedanken an, sondern wie Tatsachen. Dein Körper reagiert, als wären sie wahr.
INNERE ANTEILE – DIE SPRACHE DES UNTERBEWUSSTSEINS
Aus diesen Glaubenssätzen formen sich innere Anteile. Das sind keine Störungen, sondern intelligente Schutzmechanismen. Jeder innere Anteil hatte ursprünglich die Aufgabe, dich zu schützen. Ein typischer Anteil, den wahrscheinlich jeder kennt, ist der innere Kritiker. Er entsteht oft aus der Erfahrung heraus, dass Fehler, Schwäche oder Bedürfnisse zu Ablehnung geführt haben. Seine Strategie ist Kontrolle. Er hält dich an, besser, schneller, perfekter zu sein – nicht um dich zu quälen, sondern um dich vor erneutem Schmerz zu bewahren. Daneben gibt es häufig verletzte Anteile, oft als inneres Kind bezeichnet. Diese Anteile tragen alte Gefühle wie Angst, Scham oder Traurigkeit in sich. Wenn eine Situation im Heute diese Gefühle berührt, wird der entsprechende Anteil aktiviert und damit auch das Nervensystem.
WARUM ALTE MUSTER HEUTE NOCH WIRKEN
Wenn ein innerer Anteil aktiviert wird, reagiert dein autonomes Nervensystem so, als würdest du dich wieder in der damaligen Situation befinden. Dein Körper unterscheidet nicht zwischen „damals“ und „jetzt“. Das erklärt, warum du manchmal überreagierst, dich blockiert fühlst oder emotional überwältigt bist – obwohl du rational weißt, dass keine echte Gefahr besteht. Das sind keine Charakterfehler, es sind erlernte Schutzreaktionen. Dein heutiges Erleben wird also nicht nur von aktuellen Ereignissen bestimmt, sondern von unbewussten Prägungen, die sich in einer Zeit gebildet haben, in der dein Nervensystem lernen musste, wie es Sicherheit herstellen kann.
DIE FOLGEN IM ERWACHSENENLEBEN
Wenn dein Nervensystem dauerhaft auf Alarm eingestellt ist, lebst du im Funktionsmodus. Entspannung und Langsamkeit können sich dann ungewohnt oder sogar bedrohlich anfühlen. Pausen lösen Schuldgefühle aus, Nähe kann Angst machen und Kritik trifft dich tiefer, als du möchtest. Manche Menschen reagieren mit Überanpassung und werden zu People Pleaserin (Hier geht‘s zum Blogbeitrag „People Pleasing stoppen“), andere mit Rückzug oder innerer Leere. Wieder andere entwickeln ein starkes Ego, das versucht, Sicherheit über Leistung oder Anerkennung im Außen zu erzeugen. All diese Strategien haben denselben Ursprung: ein Nervensystem, das gelernt hat, dass es wachsam sein muss.
DER WEG ZUR VERÄNDERUNG
Veränderung beginnt nicht im Kopf, sondern im Körper und im Unterbewusstsein – genauer gesagt dort, wo limbisches System und autonomes Nervensystem miteinander arbeiten. Erst wenn dein Nervensystem neue Erfahrungen von Sicherheit macht, können alte Glaubenssätze und innere Anteile integriert werden. Es geht nämlich nicht darum, etwas loszuwerden, sondern dir selbst das zu geben, was du „damals“ gebraucht hättest, um dich sicher zu fühlen. Dazu braucht es keine Selbstoptimierung, sondern im ersten Schritt Bewusstsein für deine Muster, inneren Anteil und unbewussten Glaubenssätze. Wenn du beginnst zu erkennen, warum dein System so reagiert, entsteht Mitgefühl für dich selbst und dieses Mitgefühl schafft die Grundlage für echte Veränderung.
NEGATIVE GLAUBENSSÄTZE erkennen
Um zu erkennen, welche Glaubenssätze du verinnerlicht hast, kannst du dir die nachfolgenden Fragen stellen. Such dir dafür einen ruhigen Ort, mach’s dir gemütlich und nimm dir etwas Zeit.
In welchen Situationen reagiere ich über?
Macht es dich wütend, dass dein Partner den Geschirrspüler nicht ausgeräumt hat? Bei diesem Beispiel geht es eigentlich nicht um den Geschirrspüler aber die Situation kann ein Hinweis darauf sein, dass du dich nicht gesehen fühlst und dir mehr Wertschätzung wünscht oder dass du früh lernen musstet, Verantwortung zu übernehmen. Der Glaubenssatz könnte lauten: „Ich muss alles alleine machen.“
Vor welchen wiederkehrenden Herausforderungen stehe ich?
Das kann zum Beispiel sein, dass du jedes Mal, wenn du vor einer größeren Gruppe sprechen sollst, Angst bekommst. Oder dass du dich in Beziehungen nicht öffnen kannst. Eventuell steckt hier die Angst vor Ablehnung und ein Glaubenssatz wie „Ich bin nicht gut genug.“, „Ich bin nicht liebenswert“ oder „Ich darf keine Fehler machen.“ dahinter.
Welche verallgemeinernden Überzeugungen trage ich in mir?
Verallgemeinerungen erkennst du an den Wörtern alle, keiner, niemand, nie, immer. Zum Beispiel: Niemand mag mich. Immer muss ich mich alleine um die Kinder kümmern. Ich darf nie einen Fehler machen.
Wie spreche ich mit mir selbst?
Wenn du unangenehme Gefühle verdrängen möchtest, wird es in deinem Kopf umso lauter. Schreib die Sätze, die dir durch den Kopf gehen, auf und schau sie dir später noch einmal an. Dabei kannst du deine negativen Glaubenssätze ganz einfach erkennen.
ZUR VERTIEFUNG zwei BUCHIMPULSE
Wenn du diese Zusammenhänge weiter vertiefen möchtest, empfehle ich dir zwei Bücher, die das Thema auf unterschiedliche Weise beleuchten. „Die Macht Ihres Unterbewusstseins“ von Joseph Murphy* hilft zu verstehen, wie stark unser Unterbewusstsein unser Leben prägt und wie innere Überzeugungen unser Erleben formen und „Das System der Inneren Familie“ von Richard C. Schwartz* bietet einen klaren und zugleich liebevollen Zugang zu inneren Anteilen und zeigt, wie Heilung möglich wird, wenn unser inneres System sich sicher fühlt.
Alles Liebe, Sarah
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